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Nach dem historischen Teamtriumph kämpft das Mercedes-Duo Nico Rosberg und Lewis Hamilton erst recht mit offenem Visier um den Fahrertitel. Der deutsche WM-Zweite will sich vom gewachsenen Rückstand auf seinem Stallrivalen und WM-Spitzenreiter nicht irritieren lassen.

«Es gibt immer noch 100 Punkte und im Moment beträgt der Unterschied nur 17 Zähler», betonte Rosberg nach seinem zweiten Rang hinter dem Briten bei der Formel-1-Premiere in Russland. Seine Devise: «Weiter volle Attacke.» Und noch mehr.

Hamilton wiegt sich nicht in Sicherheit: «Die Geschichte in diesem Jahr hat gezeigt, dass der Vorsprung nie groß genug sein kann. Das Wichtigste ist, dass ich am Ende noch einen habe.» Ein eigener Ausfall und ein Sieg Rosbergs - und schon würde sich das Blatt wieder wenden. Vor allem aber wegen der erstmaligen doppelten Punktzahl beim Saisonfinale in Abu Dhabi dürfte das Titelrennen bis zum Spektakel in der 1001-Nacht-Atmosphäre offen bleiben. So wie es Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone sich herbeigesehnt hatte.

Hamilton kann allerdings schon beim vorletzten Rennen in Brasilien Weltmeister werden. Er müsste dann 50 Punkte mehr auf dem Konto haben als Rosberg. In dem Fall könnte der Deutsche in Abu Dhabi mit Hamilton höchstens noch gleichziehen. Bei Gleichstand entscheidet aber die Anzahl der Siege. Und da führt der Brite uneinholbar (aktuell 9:4). Wahrscheinlich ist eine vorzeitige WM-Entscheidung aber nicht, weil Mercedes einfach zu dominant ist und dadurch die Plätze eins und zwei beinahe garantiert sind. «Zwischen den beiden wird es immer noch hart weitergehen», prophezeite Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: «Die WM ist nicht gelaufen.»

Im Motorhome auf dem «Sochi Autodrom» betonte Rosberg zwar mehrfach, dass sich an seiner Herangehensweise an die nun ausstehenden Duelle auf der Strecke mit Hamilton nichts ändern würde. In seiner Kolumne für «Spiegel online» am Morgen vor dem Russland-Rennen hatte das jedoch anders geklungen: «Wenn es in den drei restlichen Rennen hart auf hart kommt, kann ich dann im Zweifel mehr an mich selbst denken als ans Team.» Wiederholen wollte er das nach dem Grand Prix aber so nicht. Er sei ja auch bei seinem Überholmanöver im Russland-Rennen ein Risiko gegangen.

«Viel zu viel», meinte der gebürtige Wiesbadener sogar, nachdem er sich wieder mit einem Fahrfehler um den möglichen Sieg gebracht hatte. Bei seiner Attacke in der zweiten Kurve hatte er sich verbremst und musste anschließend so früh wie kein anderer an die Box. Hamilton fuhr ungefährdet seinen vierten Sieg nacheinander ein, Rosberg rettete aber immerhin noch Platz zwei. Deswegen trete er aber keineswegs mit einem guten Gefühl die Heimreise an, beteuerte Rosberg, der zusammen mit anderen Piloten im Flieger von Jenson Button noch am Abend aus Russland abhob.

Hamilton war an Bord der Maschine von Niki Lauda, der seine liebe Mühe und Not hatte, die Passagiere zusammenzutrommeln. «Lauda Air hebt ab», rief der Österreicher durchs Silberpfeil-Motorhome, in dem mit Schampus auf den ersten Konstrukteurs-Titelgewinn in der Formel-1-Geschichte von Mercedes angestoßen wurde.

Wolff gab währenddessen immer noch redselig Interviews und wies auf eine Besonderheit bei seinem Landsmann hin: «Ganz wichtig! Meines Wissens gab es noch niemanden, der als Fahrer Weltmeister geworden ist und als Teamchef, Miteigentümer oder was auch immer Niki alles ist.» Und Lauda ist wie Wolff einer, der die beiden WM-Kontrahenten fahren lässt - solange sie dem Team nicht schaden.

Rosbergs Kolumne

Transkript Pressekonferenz auf englisch


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